Schade, aber wohl unvermeidbar

Erstellt am: 10.02.2020 – Geändert am: 10.02.2020

Norbert Barthle zur Erklärung der CDU-Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten

Mit Erstaunen hat der Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete Norbert Barthle auf die Erklärung von Annegret Kramp-Karrenbauer reagiert, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten und damit auch mittelfristig den CDU-Vorsitz aufzugeben. „Ich habe wirklichen Respekt vor dieser Entscheidung, mit der sie die Lage und die Bedürfnisse der CDU vor Ihre eigene Person gestellt hat. Das kommt ja nicht übermäßig häufig vor. Jetzt brauchen wir in nicht allzu ferner Zukunft eine dauerhafte Lösung, die wieder Ruhe und Zuversicht in die CDU hineinträgt,“ so Barthle in einer ersten Erklärung.

Letztlich habe AKK seines Erachtens die richtige Konsequenz aus den Ereignissen der letzten Monate gezogen, kommentiert der CDU-Politiker die aktuelle Entwicklung. „Kramp-Karrenbauer war eine sehr starke Ministerpräsidentin und eine mutige CDU-Generalsekretärin, doch ihr Parteivorsitz war von einigen unnötigen Pannen und Fehleinschätzungen geprägt, unter denen insbesondere ihre Autorität sichtbar gelitten hat, für die gesamte CDU zu sprechen. Diese Fähigkeit ist aber für eine Kanzlerkandidatin oder eine Vorsitzende der letzten echten Volkspartei CDU unabdingbar. Dies zeigt sich auch daran, dass für viele CDU-Mitglieder und Wähler immer noch Angela Merkel die „oberste Chefin“ ist. Deshalb braucht es für die Erneuerung der Union eine starke Führungspersönlichkeit, hinter der sich die gesamte Partei wieder versammeln kann. Dass dies möglich ist, zeigt z. B. Österreich.“

Hinsichtlich der aktuellen Krise in Thüringen könne er ihr jedoch keine Vorwürfe machen, stellt sich Barthle vor Kramp-Karrenbauer. „Meines Wissens hat sie sich im Vorfeld der Ministerpräsidenten-Wahl ebenso klar gegen eine Duldung durch die AfD ausgesprochen wie im Anschluss an dieses Ereignis. Sie ist sofort nach Thüringen geeilt und hat dort – letztlich – die Landes-CDU auf die Linie der Bundes-CDU eingeschworen. Hier habe ich mich über zahlreiche Kommentare vom politischen Gegner und auch aus den Medien an die Adresse AKK wirklich geärgert und sie als grob unverschämt empfunden.“

Die Frage nach der Kanzlerkandidatur und der Nachfolge sei eine wichtige, die verdiene ein grundsätzliches Nachdenken und keine vorschnellen Festlegungen. „Der vergangene Dreikampf zwischen AKK, Spahn und Merz hat gezeigt, dass wir mehrere hervorragende Kandidaten hatten und haben, die der CDU wieder Profil und Unterscheidbarkeit verleihen können. Zusammen mit z.B. Armin Laschet und Julia Klöckner steht ein großes Spektrum an geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten bereit. Insofern stehen wir deutlich besser da als zum Beispiel unser Koalitionspartner – von dem wir übrigens auch keinerlei Hilfestellung bei der Auswahl brauchen.“



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