Alle Maßnahmen der Vergangenheit haben nicht gewirkt

Erstellt am: 14.01.2020 – Geändert am: 16.01.2020

Norbert Barthle wirbt beim Thema Organspende für die „Doppelte Widerspruchslösung“

Am heutigen Donnerstag stimmt der Deutsche Bundestag über die Zukunft der Organspende ab. Zur Debatte stehen vor allem zwei Gesetzentwürfe: die sogenannte „Doppelte Widerspruchslösung“, für die insbesondere Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach stehen und „Entscheidungslösung“, die federführend von der Grünen-Chefin Annalena Baerbock ausgearbeitet wurde, aber auch z.B. von der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Karin Maag, unterstützt wird. „Wie bei allen ethischen Entscheidungen herrscht bei diesem Thema keine Fraktionsdisziplin; die Unterstützer der beiden Entwürfe finden sich in allen Fraktionen,“ erläutert der Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete Norbert Barthle.

Dass er selbst für die Widerspruchslösung stimmen wird und auch dafür kämpft, daraus macht Barthle kein Geheimnis, er zählt zu den Erstunterzeichnern dieses Gesetzentwurfs. „Alle Maßnahmen und Gesetze in der Vergangenheit haben an dem zentralen Problem in Deutschland nichts geändert: Zum einen haben wir eine große Mehrheit von über 80 Prozent, die der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber steht und selbst im Krankheitsfall gerne ein Spenderorgan bekommen würden. Auf der anderen Seite stagniert die tatsächliche Organspendebereitschaft; die Zahlen sehen Deutschland am unteren Ende innerhalb der europäischen Partnerländer,“ schildert der Politiker die Problemlage. Anders als von den Kritikern der Widerspruchslösung behauptet, gehe es dabei auch nicht um Zwang: „Organspende ist eines der größten Geschenke, das man aus Solidarität oder Nächstenliebe machen kann. Die Freiwilligkeit ist dabei von zentraler Bedeutung. Und deshalb bleibt die Freiwilligkeit auch unter der doppelten Widerspruchslösung selbstverständlich erhalten. Denn jeder kann zu jeder Zeit ohne Angabe von Gründen der Organ-entnahme ganz einfach widersprechen. Wo man begründungsfrei widersprechen kann, geht es wohl kaum um Zwang.“

Er habe im Vorfeld zwei Umstände abgewogen, so Barthle in seiner Erklärung: „Auf der einen Seite stehen die vielen Tausende Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Bei ihnen geht es buchstäblich um Leben und Tod, um die Frage, ob sie die nächste Woche, den nächsten Monat oder das nächste Jahr noch er-leben dürfen.

Auf der anderen Seite steht die ‚Belastung‘, sich ein einziges Mal im Leben mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und im Falle, dass man kein Organspender sein möchte, ein einziges Mal ‚nein‘ zu sagen. Als ich diese beiden Sachverhalte abwog, fiel mir die Wahl nicht schwer – und ich hoffe, der Mehrheit meiner Kolleginnen und Kollegen geht es ebenso.“



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